Die Geschichte unserer Firma - FOTO FLURY

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Museum

154 Jahre im Dienst der Fotografie

Die Geschichte eines der ältesten Fotogeschäfte der Schweiz ist auch Teil der Geschichte des Engadins.

Die Anfänge

Als Alexander Flury (1825-1901) ein kleines Holzchalet mit einem Fotostudio im ersten Stock und einem Labor im Keller erbaute, war er als Bergführer und Erstbesteiger des Piz Palü und der La Sella bereits eine Legende im Tal des Inn und der Flaz. Ein Dokument aus dem Jahr 1883 von der Landesausstellung in Zürich belegt (Dokument in der Sammlung P. Badrutt), dass die Gründung seines Unternehmens für Hochgebirgsfotografie schon im Jahr 1863 erfolgte.

Er hatte erkannt, dass die Menschen, die die Berge seines Tales eroberten und dabei die Natur und sich selbst bezwangen, die Fotografie als Mittel der Dokumentation und des Erinnerns mit Begeisterung annahmen.

Nebst seinen vielen Kollegen aus der Bergführerzunft, waren besonders Engländer dankbare Kunden.
Wohlhabende Engländer waren es ja auch, die mit ihrer Begeisterung für die Berge und für die verschiedensten Sportarten, dem Engadin aus der wirtschaftlichen Misere des 19. Jahrhunderts heraushalfen. Die Tourismusindustrie, wie wir sie heute kennen, wäre ohne diese Entwicklungen undenkbar.

Im damaligen Studio wurden Apparate verwendet, die ein Negativformat von bis zu 40x50 cm aufwiesen. Einige der kostbaren Geräte befinden sich weiterhin in der Sammlung der Familie Lochau. Die Silber-Halogenid-Beschichtung der Glasplatten wurde in den Anfängen noch eigenhändig hergestellt, das Albuminpapier für die Abzüge aus Dresden bezogen. Das Verfahren war insofern aufwändig, als die Fotoglasplatten beschichtet, belichtet und entwickelt werden mussten während sie noch feucht waren, was ihren Einsatz natürlich beschränkte und die Fotografie auf das Studio konzentrierte. Für die noch heute erhaltenen grossartigen Studioaufnahmen wurden kunstvolle Wandbilder mit Bergszenen bemalt und Bäume, Steine usw. als Dekoration herangeholt.

Die Aufnahmen, vor allem der berühmten Bergführer der damaligen Zeit, sind kostbare Zeugen einer vergangenen Epoche. Wir bestaunen die feinen Twills und den individuell variierten Halsschmuck der Männer, vom Binder bis zur Seidenkordel, die sorgsam gezwirbelten Schnauzer, die sehr unterschiedlichen Kopfbedeckungen und werden dabei erinnert, dass ‘Das Fotografiert werden’ zur damaligen Zeit eine aufregende Angelegenheit war, etwas fürs Leben, für die Enkel und die Annalen des Tales.


Dieses herrliche Hochtal war natürlich ebenfalls ein begehrtes Fotomotiv.

Als im Jahr 1871 der ‘trockene’ Fotoprozess von Maddox erfunden wurde, war dem Drang nach draussen kein Halten mehr gesetzt. Die Sammlung Flury/Lochau birgt unglaubliche Schätze, Dokumente der Talgeschichte, der Baugeschichte und auch der Ökologischen Entwicklung des Oberengadins. Gletscherschwund und Baumwuchs sind hier nur als Teil der grossen Dokumentationspalette zu nennen.

Das anbrechende neue Jahrhundert beendete die Ära Flury. 1901 verstarb Alexander Flury.
 
Seine Tochter, Albertine Sappeur-Flury führte das Geschäft, sowie die inzwischen entstandene Winterfiliale beim Kulmhotel in St.Moritz noch einige Jahre weiter.

Zeitenwechsel

Seit 1904 arbeitete Oscar Lochau (1882-1945) als Landschaftsfotograf für sie.

Oscar Lochau wurde am 13.Mai 1882 in ein altes Hamburger Senatorengeschlecht geboren, machte eine Lehre als Fotograf in Hannover und ging dann als Geselle auf Wanderschaft. Über Genf kam er nach Nizza, wo er seine erste Stelle fand. Von 1904 bis 1909 pendelte er zwischen der französischen Riviera und dem Engadin hin und her. Ganz ähnlich wie das Hotelpersonal folgte er den vermögenden Kunden der grossen Hotels, von den mondänen Badeorten zu den Bergmatten, um ihr  ‘savoir vivre’ zu dokumentieren.

Aus Oscar Lochau’s erster Ehe gingen zwei Söhne hervor: Gustav (1910-1978), der später das Geschäft von seinem Vater übernahm, und Oskar (1917-1977), der eine Banklehre absolvierte und kaufmännisch tätig war, zuerst in Lugano, später in Zürich. Aus Oscar Lochau’s zweiter Ehe mit Margret Lochau-Künzel (*1902) stammt Tochter Elisabeth(*1928)

Während der ersten Winterolympiade von St.Moritz 1928 half Margret tatkräftig im Geschäft mit. 1935 erlitt Oscar Lochau bei einem Ferienaufenthalt am Bodensee einen Herzanfall und konnte danach das Geschäft nicht mehr weiterführen. Dank der Mithilfe von Sohn Gustav gelang es Margret die beiden Geschäfte in Schwung zu halten.

Mit dem Zweiten Weltkrieg blieben die wohlhabenden Engländer, Franzosen und Amerikaner aus und das Leben im Engadin veränderte sich drastisch. Lochau’s mussten das Geschäft in St.Moritz schliessen und nach dem Tod von Oscar im Jahr 1945 verkaufen. Margret führte das Geschäft in Pontresina mit ihrem Stiefsohn Gustav unter grossen Anstrengungen weiter. 1949 zog sie zu ihrer Tochter nach Zürich und übertrug die volle Verantwortung auf Gustav. Dieser hatte 1947 Emmy Knöpfel geheiratet. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Ruth (1948-1952), Alfred (*1951), der heutige Geschäftsinhaber und Erica (*1953).

Der junge Gustav war ein unermüdlicher Geschäftsmann und begeisterter Fotograf.

Noch in den   Vorkriegsjahren drehte er auch Filme über Rehe, Gämsen, Steinböcke, Murmeltiere und Adler und führte sie an schönen Sommerabenden neben dem Geschäft im Freien auf.

Er baute den Postkartenverlag seines Vaters mit vielen Landschaftsaufnahmen entscheidend aus. Während des Krieges fuhr er mit seinem schwerbepackten Velo zu Hoteliers und Hüttenbesitzern im ganzen Engadin, um seine Kollektion zu zeigen, Bestellungen aufzunehmen, den Namen ‘Foto Flury’ für Fotowünsche jeglicher Art zu empfehlen.

Wie alle Lochau’s war er ein eher stiller Mensch, der sich mit viel Hingabe den Problemen seiner Kunden widmete und sein technisches Wissen gerne weitergab – ganz im Dienst der Fotografie. Er entwickelte und vergrösserte alles von Hand: die Filme der Touristen und im Winter die vielen Aufnahmen des angestellten Sport-Operateurs.

Neubau und Generationenwechsel

Im Sommer 1959 wurde das alte Holzchalet abgerissen und an der selben Stelle durch ein zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus ersetzt. Gustav Lochau machte alle Neuerungen im Fotowesen begeistert mit, nie wurde er müde, sich weiterzubilden. Schon früh widmete er sich der Farbfotografie, die viel Aufwand im Entwicklungsprozess erforderte. Die Filme wurden in Dosen einzeln entwickelt und die Vergrösserungen anschliessend von Hand verarbeitet.

Immer lag ihm auch die Weitergabe seines Könnens am Herzen. In der Sommersaison führte er wöchentlich einen Rundgang durch Pontresina, wobei er nicht nur Fototipps für Architektur, Landschaft oder Blumen hatte, sondern auch die Geschichte des Ortes zu erzählen wusste. Gustav Lochau verstarb im Jahr 1978 in seinem geliebten Rosegtal auf der Hochjagd.

Mit Alfred Lochau übernahm nun die dritte Generation der Lochau’s das Geschäft.
Nach einer 3jährigen Lehre als Fotograf bei Theo Vonow in Chur, hatte Alfred - wie schon sein Vater - eine Stelle bei Foto Zumstein in Bern angenommen, um sich in der Labortechnik weiterzubilden. In einer zweiten Volontariatsphase spezialisierte er sich bei Zumstein’s Colorlabor auf die Farbverarbeitung.
Dem folgten Sprachaufenthalte in England und in Genf. 1975 kam er zurück ins Engadin.
Nach dem plötzlichen Tod des Vaters unterstützte ihn seine Mutter bis zu ihrem Tod im Jahr 1987 in der Geschäftsführung. 1991 heiratete Alfred Margrit Bernet aus Wil/SG. 1992 wurde Stefan Lochau geboren, die vierte Generation im Engadin. Im gleichen Jahr wurde das Fotogeschäft total umgebaut.
Als Fachmann mit fundiertem technischem Wissen hat es Alfred Lochau bis heute verstanden, jede technische Revolution auf dem Gebiet der Fotografie mitzumachen. Ein breites Sortiment von Kameras, Speicherkarten, Fotozubehör und der ganzen Palette der dazugehörenden Dienstleistungen werden angeboten und vermitteln dem Kunden das Gefühl, mit seinen Problemen und Fragen in guten Händen zu sein. So mancher hat schon die Urlaubszeit dazu genutzt, eine neue Kamera zu kaufen und sie gleich in der herrlichen Engadiner Landschaft zum Einsatz zu bringen.
Die Studiofotografie ist aktuell wie immer. Von Passaufnahmen, die heute genaue Kenntnisse der Vorschriften erfordern, bis hin zu komplizierten Dokumentationen, wie Reproduktionen für Kunst- und Ausstellungskatalogen, wird im Studio Lochau alles geboten.
Das Geschäft führt ausserdem natürlich ein breites Sortiment von Postkarten, Kalendern, Büchern und Landkarten. Weiterer Hauptbestandteil ist die gut bestückte Papeterieabteilung.

Das Digitale Zeitalter im Engadin

Seit Dezember 2001 konnte Alfred Lochau den Dienst am Kunden noch weiter verbessern. Es wurde in eine modernste Foto-Entwicklungsanlage investiert, die es von nun an ermöglichte, binnen 1 Stunde hochqualitative Bilder in fast jeder gewünschten Grösse anzufertigen. Von der Wanderung zurückgekehrt, kann man die Filme oder den digitalen Datenträger abgeben und noch am Abend die Fotos in Händen halten.
Ein ganz persönliches Engagement trägt Alfred mit in die Hochzeits- und Festivitäten-Fotografie. So manches Ehepaar schmückt sein Hochzeitsalbum mit Bildern von Foto Flury und so manche ‘Festliche Erinnerung’ an durchtanzte Nächte wurde im Labor Lochau entwickelt!
Wenn man Alfred Lochau fragt, warum nun nach bereits drei Generationen Lochau das Geschäft an der Via Maistra in Pontresina immer noch FOTO FLURY und nicht FOTO LOCHAU heisst so schwingen in der Antwort verschiedene Argumente mit: Zunächst einmal ist da der grosse Respekt vor der Pionierleistung des Gründers, der mit seiner Persönlichkeit und seiner Innovationsfreude solch ein wunderbares Geschäft aufbaute. Des Weiteren sind da ganz banale Gründe, wie der in anderen Sprachen so schwer auszusprechende Name Lochau, der z.B. im Englischen doch etwas seltsam klingt. FLURY und LOCHAU, beide Namen stehen für ein Engagement im Dienst der Fotografie, für den Dienst am Kunden und für die Liebe zu einer einmaligen Landschaft, die weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt und geschätzt ist.

Ob wohl einmal Stefan in die Fussstapfen der vorhergehenden Generationen treten wird, steht in den Sternen – die Anlagen sind vorhanden, die Voraussetzungen gut, die Kunden können hoffen.
 
Viola Käumlen im Dezember 2004

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